Gaspreise

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Dass der Gaspreise trotz der Liberalisierung der Energiemärkte seit Ende der 1990er Jahre immer weiter steigen, war so nicht abzusehen. Auch die Preisbindung an das Öl, lange Zeit ein Argument der Konzerne für die Gaspreise, ist nicht mehr gerechtfertigt, seit selbst deutsche Gerichte diese Bindung per Gerichtsurteil in Zweifel zogen. Die Bindung war ohnehin nie gesetzlich festgeschrieben, es handelt sich lediglich um ein Agreement der Produzenten und Versorger. Darüber hinaus steigt der Ölpreis längst nicht mehr an. Was also verursacht den steigenden Gaspreis?

Wie kommt der Gaspreis zustande?

Experten sind sich nicht ganz einig, was die permanenten Preissteigerungen verursacht. Teilweise hält man die politischen Bemühungen für zu schwach, der Gesetzgeber habe sich deutschland- und europaweit zu sehr auf die Selbstregulierungskräfte des Marktes verlassen, die nicht so simpel funktionieren wie geglaubt. Monopolisten, welche die Gasleitungen besitzen, hätten ihren Wettbewerbern die Durchleitung mit vielerlei bürokratischen Hürden erschwert und ihre Marktgebiete darüber hinaus abgeschottet. Es gibt allerdings auch die Auffassung, dass die Verbraucher selbst, ob industriell, gewerblich oder privat, viel mehr gegensteuern könnten. Denn ein Wechsel des Anbieters wird viel zu selten vollzogen, je nach Region bleiben zwischen 60 bis 80 Prozent aller Strom- und Gaskunden bei ihrem bisherigen Versorger. Damit besteht für die Gasversorger kein großer Anreiz, die Preise zu senken.
Vielleicht muss auch noch etwas Zeit vergehen. Seit 2005 ist die Liberalisierung auf dem deutschen Gasmarkt Realität, seit 2006 können sich Privatkunden definitiv für einen alternativen Versorger entscheiden. Und die Zahl der Anbieter wächst stetig, ebenso nehmen die unterschiedlichen Tarifkombinationen zu, sodass es immer mehr wirkliche Alternativen gibt.

Einzelheiten der Ölpreisbindung

Dass der Gaspreis an denjenigen des Öls gekoppelt ist, hängt nur von industriellen Vereinbarungen ab, die keinesfalls de jure oder pro forma bestehen. Es ist eher eine Art Orientierung der Produzenten und Versorger untereinander. Einige internationale Gashändler halten an dieser Orientierung fest, vor allem russische, norwegische und niederländische Exporteure. Sie ist einfach vorteilhaft, ihren technischen Sinn hat sie längst verloren. Ursprünglich sollte damit eine schädliche Konkurrenz zwischen Öl und Gas unterbunden werden. Heute kommen auf den langen Gastrassen ganz andere Einflüsse zum Zuge, die den Gaspreis beeinflussen und die nichts mit dem Ölpreis zu tun haben. Nicht umsonst haben Deutschland und Russland gemeinsam eine Gaspipeline durch die Ostsee verlegt, um sich von Unsicherheiten in Transitländern wie Weißrussland und der Ukraine zu befreien. Doch auch wenn es eine Ölpreisbindung gibt, so hat diese nicht unbedingt etwas mit dem Rohöl an den Weltmärkten zu tun. In Deutschland ist der Gaspreis vielmehr an denjenigen von leichtem Heizöl gebunden, weil dieses als potenzielle Alternative und Ausweichbrennstoff angesehen wird. Ob letzten Endes die Ölpreisbindung ein Totschlagargument der Anbieter ist oder wirklich einiges noch dafür spricht, ist aus der Sicht der privaten Endkunden schwer feststellbar und eigentlich gleichgültig. Es gibt allerdings ein Grundsatzurteil hierzu. Der Bundesgerichtshof hat im November 2008 in einem Urteil festgelegt, dass zwar der Staat nicht die Gaspreise kontrollieren darf, ein Kunde aber gegen eine Preiserhöhung seines Versorgers gerichtlich vorgehen kann, woraufhin sich der Anbieter eine kartellrechtliche Überprüfung gefallen lassen muss.