Gasmarkt Liberalisierung
Die Gasmarkt Liberalisierung erfolgte im Zuge der Liberalisierung des gesamten Energiemarktes in Deutschland und Europa seit Ende der 1990er Jahre. Hierbei wurde schrittweise vorgegangen, und der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, sondern gegenwärtig in vollem Gange. Während die Politik ihre Hausaufgaben vielfach erledigt hat, sind nur die Verbraucher am Zuge. Mit der Wahl des günstigsten Anbieters tragen sie zur Gasmarkt Liberalisierung bei.
Was bedeutet Liberalisierung?
Grundsätzlich sollen so viele Teile wie möglich aus der Gesamtlieferkette eines Gaserzeugers dem freien Wettbewerb unterliegen. Das hat natürlich seine Grenzen, Gasleitungen etwa können nicht nach Belieben veräußert werden, auch Steuern und Konzessionsabgaben entfallen auf alle Anbieter gleichmäßig. Das Ziel bleibt dennoch, private, gewerbliche und industrielle Verbraucher zu möglichst marktgerechten Konditionen zu versorgen und die Monopolstellung einzelner Konzerne zu durchbrechen. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, denn die Schaffung von Versorgungsstrukturen erzeugt ein natürliches Monopol. Damit dieses nicht grenzenlos ausgenutzt wird, reguliert der Staat beispielsweise die Netzdurchleitungsgebühren von Energieversorgern. Dennoch sah man lange Zeit die Energieversorgung als monopolbehaftet an, zu groß sind die jeweiligen Investitionen in den Ausbau der entsprechenden Struktur. Es würde auch kaum Sinn machen, wenn beispielsweise mehrere Gasversorger parallel Leitungen durchs Land verlegen würden. Daher betrachtete man die entstandenen Monopole als gerechtfertigt. Dem stand allerdings schon immer die sogenannte Essential Facility-Theorie entgegen, die besagt, dass der Wettbewerb nur da nicht sinnvoll ist, wo er lediglich unnötige Kosten verursachen würde – etwa beim parallelen Verlegen von Leitungen durch mehrere Versorger. Die Leitungen sind essenziell (daher Essential Facility) und müssen dem Unternehmen, das sie verlegt hat, seine Kosten und einen Gewinnanteil einbringen. Es gibt aber viele Teile der Wertschöpfungskette, die durchaus liberalisiert werden können, nämlich der Einkauf der Rohstoffe zu marktgerechten Preisen und ihre Veräußerung an die Kunden. Auch im Management der Gasversorgung gibt es viele Reserven. Daher geht man davon aus, dass ein liberalisierter Markt zwangsläufig zu Preissenkungen führen wird.
Schritte zur Gasmarkt Liberalisierung
Um die Liberalisierung voranzutreiben, musste zunächst gesetzlich geregelt werden, dass andere Anbieter Zugang zu den vorhandenen Netzen erhalten. Für diese wiederum musste das Nutzungsentgelt geregelt werden, denn hier herrscht zwangsläufig in Bezug auf die Gasmarkt Liberalisierung der sensibelste Punkt. Die Inhaber der Netze könnten über erhöhte Nutzungsentgelte Wettbewerber abschrecken und auch wirtschaftlich in die Knie zwingen. Dasselbe trifft auf den Strom- und den Telekommunikationsmarkt zu, und es gibt hierüber auch ständige Auseinandersetzungen. Ein weiterer Schritt hin zur Liberalisierung ist das sogenannte Unbundling, womit die Entflechtung der miteinander verbundenen Konzerne gemeint ist, welche die Netze gemeinsam betreiben. Diese Strukturen sind über sehr lange Zeiträume entstanden, sie aufzubrechen ist sehr komplex. Die Politik ist in Deutschland und Europa diese Schritte aber der Reihe nach gegangen, beginnend mit der ersten EU-Richtlinie zur Strommarktliberalisierung im Jahr 1996. Eine entsprechende Richtlinie zur Gasmarkt Liberalisierung folgte 1998, eine Revision gab es im Jahr 2003. Ab dem Jahr 2004 begann in der Praxis die deutsche Gasmarkt Liberalisierung.
